Fahrzeugausfälle bei der SWB und Folgen für den ÖPNV

An den Vorsitzenden
des Ausschusses für Planung und Verkehr
Herrn Nils Suchetzki
Kreishaus
53721 Siegburg
07.08.2026
nachrichtlich:
Fraktionen/Gruppen


Antrag für die Sitzung des Ausschusses für Planung und Verkehr am 22.09.2026


Aufnahme des Tagesordnungspunktes „Fahrzeugausfälle bei der SWB Bus und Bahn (SWBV) und
die Folgen für den Öffentlichen Personennahverkehr“


Einladung der Geschäftsführung der SWB Bus und Bahn: Bericht zu den Fahrzeugausfällen und
Vorstellung des Wartungskonzeptes bei den Stadtbahnen


Sehr geehrter Herr Suchetzki,
die Fraktionen von CDU und GRÜNEN im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises beantragen, den Tagesordnungspunkt „Fahrzeugausfälle bei der SWB Bus und Bahn (SWBV) und die Folgen für den
ÖPNV“ auf die Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Planung und Verkehr am 22.09.2026
aufzunehmen und hierzu die Geschäftsführung der Stadtwerke Bonn Bus und Bahn einzuladen.
In der Sitzung soll die Geschäftsführung der SWB Bus und Bahn (SWBV)

  1. über die Hintergründe der kurzfristigen Stilllegung von 60 Stadtbahnwagen und die dabei
    festgestellten technischen Mängel berichten,
  2. das gemeinsam mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) und dem unabhängigen Gutachter erarbeitete Prüf- und Wartungskonzept vorstellen, einschließlich des aktuellen Zeitplans für die Wiederinbetriebnahme der Fahrzeuge,
  3. die Auswirkungen der Fahrzeugausfälle auf Fahrplanstabilität, Fahrgastzahlen und Ersatzverkehre im betroffenen Netz (inklusive der SSB-Strecken im Rhein-Sieg-Kreis) erläutern,
  4. Auskunft zu den Kosten für Bahnersatzverkehre, für angemietete Fahrzeuge (insbesondere
    der befristet überlassenen KVB-Stadtbahnen) sowie zu den voraussichtlich entstehenden
    Mehraufwendungen für die vorschriftsmäßige Wiederherstellung der Fahrzeuge sowie für
    eine mögliche engere Überwachung und Wartung der Stadtbahnen geben,
  1. darlegen, welche Maßnahmen die SWBV ergreifen, um vergleichbare Situationen künftig
    besser zu vermeiden, um das Vertrauen der Fahrgäste in die Sicherheit und Zuverlässigkeit
    des ÖPNV nachhaltig zu stärken,
  2. darlegen, welche Konsequenzen die angekündigte, deutlich spätere Lieferung der bestellten Neufahrzeuge für das ÖPNV-Angebot in der Region hat,
  3. berichten, wie eine transparente, vertrauensbildende Kommunikation zukünftig gewährleistet werden kann.
    Begründung:
    Am 21. Juli 2026 mussten die Stadtwerke Bonn kurzfristig 60 der insgesamt 75 Stadtbahnwagen
    des Typs B aus dem Verkehr ziehen. Die Entscheidung wurde nach einem Vor-Ort-Termin mit der
    Technischen Aufsichtsbehörde getroffen. Hintergrund sind erhebliche technische Auffälligkeiten
    an Fahrzeugen aus den 1970er- und 1990er-Jahren, wobei sogar die zweiterstellten Wagen betroffen sind: nicht zertifizierte Bauteile und Komponenten, auffällige Pressstellen zwischen Rädern
    und Achsen, nicht dokumentierte Änderungen an Fahrwerkskomponenten sowie mögliche Materialermüdungen.
    Diese außergewöhnliche Maßnahme der unverzüglichen Stilllegung führt dazu, dass über die
    Hälfte der in Bonn und im Umland eingesetzten Stadtbahnen vorübergehend nicht zur Verfügung
    stehen. Die Auswirkungen sind unmittelbar sichtbar:
    Zahlreiche Fahrten können nur mit Einzelwagen statt in Doppeltraktion erbracht werden, die Linie
    68 wird in den Ferien gar nicht bedient, auf der Linie 16 besteht weiterhin Bahnersatzverkehr,
    einzelne Haltestellen werden temporär nicht angefahren. Dies mindert die Beförderungskapazitäten und erschwert einen stabilen Fahrplan.
    Einschränkungen, Umstiegszwänge und geringere Platzangebote treffen die Fahrgäste in Bonn und
    im Rhein-Sieg-Kreis in einer Zeit, in der ein verlässlicher ÖPNV für Mobilitätswende, Klimaschutz
    und Alltagswege wichtiger denn je ist. Die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs gilt darüber hinaus als eine Alternative im Zuge der Vollsperrung der Bonner Nordbrücke (BAB 565).
    Die SWB betonen aus guten Gründen, dass die Sicherheit der Fahrgäste oberste Priorität hat.
    Gleichwohl führt eine so umfassende Stilllegung großer Teile der Flotte verständlicherweise zu
    Fragen bei den Betroffenen:
  • Wie konnte es zu der Häufung von Mängeln an älteren Fahrzeugen kommen?
  • Seit wann waren Bahnen mit möglichen Mängeln im Fahrgastbetrieb?
  • Welche Kontrollen und Dokumentationspflichten wurden erfüllt? Wo gibt es Verbesserungsbedarfe?
  • Warum sind die Probleme nicht schon früher aufgefallen?
  • Wie kann künftig eine einheitliche, transparente Kommunikation mit der Öffentlichkeit gewährleistet werden, um das Vertrauen in unsere Verkehrsunternehmen zu gewährleisten?
    Eine offene, transparente Darstellung der Sachlage ist Voraussetzung für das Vertrauen in die technischen und organisatorischen Strukturen unserer Verkehrsunternehmen.

Die nur vorübergehend zur Verfügung gestellten Stadtbahnen der Kölner Verkehrsbetriebe verursachen darüber hinaus nach Angaben der Bonner Stadtwerke Kosten im niedrigen sechsstelligen
Bereich. Hinzu kommen absehbar deutlich höhere Summen für eine engere und aufwändigere
Wartung der älteren Stadtbahnflotte, die noch bis in die 2030er Jahre im Einsatz bleiben soll. Weiterhin müssen unerwartete Bahnersatzverkehre finanziert werden.
Diese Mehrkosten wirken sich perspektivisch auf die Verkehrsunternehmen und damit indirekt
auch auf die öffentliche Hand und die Menschen an Rhein und Sieg aus. Für eine verantwortungsvolle Haushalts- und Verkehrspolitik ist es notwendig, die Kostenentwicklungen und deren Ursachen nachvollziehen zu können.
Der Rhein-Sieg-Kreis ist als Miteigentümer der SSB (Elektrische Bahnen der Stadt Bonn und des
Rhein-Sieg-Kreises) unmittelbar betroffen.
Die Einladung der Geschäftsführung der SWBV in den Ausschuss ist daher geboten, um die Verantwortung als Miteigentümer und ÖPNV-Aufgabenträger vollumfänglich wahrzunehmen.