Sachstand Stadtbahnen in Bonn

Anfang Juli 2026 wurde bekannt, dass alle 60 Stadtbahnen der alten Serien wegen gravierender Mängel an den Radsätzen ausser Betrieb genommen werden mussten. Aufgefallen waren die Mängel im Rahmen einer Routineuntersuchung durch die technische Aufsichtsbehörde (TAB) bei der Bezirksregierung Düsseldorf. 

Die Mängel an den Radsätzen können zu einem Bruch führen und in der Folge zu einer Entgleisung der Stadtbahn. Aus unserer Sicht war diese Entscheidung richtig, den die Sicherheit der Fahrgäste hat erste Priorität. 

Unbefriedigend ist jedoch die nicht Kommunikation, der für den Betrieb der Stadtbahnen zuständigen SWBV und das Gefühl, das die gesamten Sommerferien mehr oder weniger verschlafen wurden. In einem gemeinsamen Informationsaustausch wurden Anfang September wurden die Gründe dann erläutert und das erste grobe Konzept für die Wiederinbetriebnahme und die Beseitigung der Ursachen vorgestellt. Warum das erste grobe Konzept, da diese immer eng mit den Prüfern und der TAB abgestimmt werden müssen, was auch immer wieder zu Verzögerungen auf der Zeitschiene führen kann. 

Demnach ist vorgesehen ab dem 11.09.26 wieder nach und nach die Bahnen in Betrieb zu nehmen. Eine Überprüfung dauert ca. 12 Stunden und dafür wird eine Hebebühne benötigt. Auf diese Bühne passt ein Stadtbahnwagen und die SWBV hat davon 2 Stück. Nach der Überprüfung erfolgt eine Abnahme durch einen der fünf Betriebsleiter/Stellvertreter, die auch nochmal 7 Stunden dauert. Das bedeutet im Idealfall können 2 Fahrzeuge pro Tag wieder für den Betrieb hergestellt werden. Soweit das Konzept, findet man jedoch bei der Überprüfung weitere unregelmäßigkeiten, bedeutet das eine Verzögerung bei der Inbetriebnahme. Das führte auch dazu, dass der ursprüngliche kommunizierte Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. 

Am 11.09.26 konnten dann aber die ersten zwei Bahnen wieder in Betrieb genommen werden, am 14.09.26 weitere zwei Bahnen. Derzeit wird von der SWBV erst informiert, wenn die Bahnen wieder in den Betrieb gehen. 

Jedoch bedeutet das nicht, dass die Ursache beseitigt wurde, sondern es wurde nur geprüft, ob die Radsätze für einen weiteren Betrieb noch geeignet sind. Diese Genehmigung gilt aktuell jedoch nur für 9.000 km, dass bedeutet ist diese Grenze erreicht, muss das Fahrzeug wieder in die Überprüfung. Hier besteht das Risiko, dass es zu einem Stau in der Werkstatt kommen kann, da die Hebebühnen auch für den normalen laufenden Betrieb benötigt werden und auch für die Abnahme neuer Fahrzeuge die hoffentlich auch irgendwann mal geliefert werden. 

Nach dem erstellten Konzept hofft mal insgesamt 58 Fahrzeuge im laufenden Betrieb zu haben, was für einen normalen Betrieb der Stadtbahnen 18, 63, 66, 67 und 68 ausreichen würde. 

Auswirkungen für die Fahrgäste 

Aktuell ist die Linie 63 eingestellt, dass bedeutet die Relation Tannenbusch Süd und Bad Godesberg Stadthalle wird nur von der Linie 16 bedient. Die Fahrten der 63 sind zur Schließung von Taktlücken gedacht, daher ist der Ausfall für die Fahrgäste eher gering. 

Die Linie 18 wird durch Fahrzeuge aus Köln kompensiert, auch hier sind die Nachteile für die Fahrgäste überschaubar. 

Anders die Linie 66, 68, 67 die aktuell gar nicht oder nur eingeschränkt fahren. Während 67 und 68 gar nicht fahren, pendelt die 66 zwischen Bonn Hbf und Villich. Zwischen Bad Honnef und Bonn Hbf sowie Villich und Siegburg fahren Busse, der sogenannte Schienenersatzverkehr (SEV). Das verlängert die Reisezeiten um mindestens mal 100%, da die Busse auch im Stau stehen. 

Wenn insgesamt 12 Fahrzeuge für die 66 zur Verfügung stehen, wird im ersten Schritt die Relation Bonn-Siegburg wieder gefahren werden. Nach unseren Einschätzungen kann das in der nächsten Woche der Fall sein, aber auch nur eine wage Schätzung. Im nächsten Schritt soll die Relation Bonn Hbf bis Ramersdorf, also dann Siegburg bis Ramersdorf mit der 66 wieder gefahren werden. Im letzten Schritt dann die gesamte Strecke zwischen Siegburg und Bad Honnef. Das wird sicherlich noch einige Wochen dauern. 

Sollte das Überprüfungskonzept funktionieren, könnten diese Verkehre dauerhaft gefahren werden. Kommt es aber zu Rückstaus in der Werkstatt oder zu neuen Auffälligkeiten, kann es auch wieder Ausfälle gebe. Die Ursache, die alten und anfälligen Radsätze wird nach Lieferung dieser bestellten neuen Radsätze beseitigt werden können. Lieferzeit 18 bis 24 Monate. 

Es ist richtig, dass bereits vor Jahren neue Fahrzeuge bestellt wurden, jedoch verzögert sich die Auslieferung massiv. Es sind für 2027 erste Fahrzeuge angekündigt, die dann aber auch aufwendig durch die TAB abgenommen werden müssen, bis sie in den Betrieb gehen. Realistisch ist mit einer Stückweisen Inbetriebnahme frühestens in 2028 zu rechnen. 

Was macht die Politik 

Die Lage ist dynamisch und die Perspektiven sind nicht gut. Da wir zum nächsten PVA am 22.09.2026 nicht mit neuen Informationen rechnen, die über die Informationen hinausgehen die wir bereits bekommen haben, haben wir verzichtet Vertreter der SWBV in den Ausschuss einzuladen. Auch deswegen, weil aktuell jeder Mitarbeiter für die Werkstatt gebraucht wird. Das wollen wir dann in der Dezember Sitzung nachholen, dazu haben CDU, GRÜNE, SPD und FDP einen gemeinsamen Antrag gestellt. Dort wollen wir dann das Konzept vorgestellt bekommen, wie die Mobilität auf den Stadtbahnen in 2027 von der SWBV als Betriebsführer sichergestellt werden kann und was das Ergebnis der Überprüfung der Ursachen und der Verantwortung für dieses Desaster ergeben hat.